Wer ist eigentlich dieser Digitale Zwilling?

Kennen Sie Ihren Digitalen Zwilling? Bzw. wissen Sie, ob Sie einen haben? Oder vielleicht sogar mehrere? Wie viele davon laufen da eigentlich so rum…?

„Digitaler Zwilling“ ist eine recht allgemeine Bezeichnung für virtuelle Repräsentationen physischer Objekte, Prozesse oder Systeme, die durch den kontinuierlichen Austausch von Echtzeitdaten eine präzise Abbildung der Realität ermöglichen.

(Ja, so kann man das formulieren. Hab‘ ich aus einer meiner Vorlesungen geklaut. Sorry dafür….)

Heißt: immer dann, wenn wir versuchen, reale Objekte in welcher Form auch immer digital zu repräsentieren, kann (!) man von einem digitalen Zwilling sprechen.

Theoretisch also bereits dann, wenn ich Ihren Kontakt bei mir im Handy abspeichere. Denn Sie sind (hoffentlich) real, der Datensatz in meinem Telefon ist eine virtuelle Repräsentation von Ihnen (wenn möglich klebe ich auch gerne ein Foto von Ihnen mit rein, dann kann ich mir Sie besser merken) und schon entsteht in meinem Telefon ein digitaler Zwilling von Ihnen.

Das wäre allerdings ein ziemlich „einfacher“ digitaler Zwilling. Denn in der Praxis würde man den Begriff hierfür noch nicht verwenden. Es fehlt – ein Stück weit – die „präzise Abbildung der Realität“ und auch der „kontinuierliche Austausch von Daten“.

Der Begriff kommt ursprünglich aus der Industrie (Maschinenbau, Automotive, Produktion, Fabriken – alles was mit Industrie 4.0 zu tun hat), wird mittlerweile aber weit darüber hinaus verwendet. Gebäude haben digitale Zwillinge, ja sogar ganze Städte (Digital Twin City), die dann zur Simulation von allem Möglichen verwendet werden. Wertschöpfungsketten z.B. in der Logistik werden mit digitalen Zwillingen abgebildet, Biologie und Medizin nutzen das Konzept ebenfalls.

Der Begriff „Digitaler Zwilling“ entwickelt sich somit von einer rein technischen Beschreibung mehr und mehr zu einem Oberbegriff für dynamische digitale Repräsentationen realer Systeme und Objekte.

Im Marketing spielt das ebenfalls eine große Rolle, denn je mehr Daten Sie über mich gesammelt haben – und in Ihrem digitalen Zwilling von mir abspeichern – desto genauer können Sie mir Produkte vorschlagen.

Und so entstehen von uns viele und viele verschiedene digitale Zwillinge. Wenn man mal darüber nachdenkt, wie unfassbar viele digitale Spuren wir hinterlassen, dann wäre das vermutlich ziemlich gruselig, wenn die sich alle zusammen tun würden…

Mittels KI lassen sich digitale Zwillinge auch immer realistischer gestalten. Mein KI-Avatar sieht aus wie ich und spricht wie ich (nur besseres Hochdeutsch, Beweisvideo im Kommentar). Mein KI-Agent hat Zugriff auf meine Daten und kann (wenn ich das zulassen würde) in meinem Namen Dinge tun.

Ob einer meiner KI-Zwillinge sich allerdings auch gerade das Knie verdreht hat, kann ich nicht sagen – ich schätze aber, er weiß zumindest davon….

#informatikersindcool #careaboutyourdigitalzwilling