Wahrheit und Authentizität

Das ZDF sendet also einen Beitrag mit KI-generierten Elementen. Soll das passieren? Nein.
Darf sowas passieren? Ebenfalls nein – schon gar nicht im öffentlich-rechtlichen Kontext.

Wird sowas wieder passieren? Natürlich.

Journalismus lebt von Fakten. Aber auch von Geschwindigkeit. Und die setzt voraus, dass organisatorische und technische Prozesse vorhanden sind, in denen Verantwortung und Qualitätssicherung stattfinden.

Dieses Spannungsfeld kennen wir auch in anderen Bereichen, teilweise auch schon mit fertigen und erprobten Lösungen:
• im Sachverständigenwesen ist die persönliche Inaugenscheinnahme ein wichtiges Element. „Sieh Dir an, was wirklich da ist und was wirklich passiert und halte Deinen Kopf dafür hin. Ganz persönlich.“
• technisch betrachtet gibt’s die C2PA und eIDAS, um digitale Signaturen und die Echtheit von Medien zu bestätigen
• organisatorisch führt man erfolgreich Quality-Gates ein, um menschliche oder technische Fehler zu erkennen und abzufangen
• das Prüfen von Quellcodes dauert mittlerweile deutlich länger als das KI-assistierte Schreiben. Hier findet gerade ein massiver Skill-Shift statt.
• Gerichte haben das Problem, mit digitalen Beweismitteln klarzukommen. Und das in einer Welt, wo auch heute noch Faxe verschickt werden…

Das Kernproblem ist m.E. derzeit, dass wir uns mitten im Umbruch zur „neuen Realität“ befinden. KI-Material überschwemmt soziale Netze, das Internet an sich und ist viel einfacher zu produzieren als „echtes“ Material.

Einem Großteil der Menschheit ist noch immer nicht klar, was man mit KI alles anstellen kann, denn sie / wir sind ja schließlich auch in einer Welt aufgewachsen, in der wir gelernt haben, dass man Bildern und (vor allem) Videos glauben kann. Man sieht doch schließlich mit eigenen Augen, was auf dem Bild / dem Video passiert…

Diese Vertrauen werden wir erst wieder herstellen, wenn wir durchgängig technologische Lösungen (z.B. C2PA, eIDAS) in die Prozesse integriert haben und wenn dann bspw. das TV-Gerät zuhause und jeder Computer-Monitor ein Logo dafür einblenden kann, wenn echtes Material gesendet wurde oder welche Stellen KI-generiert / KI-bearbeitet sind. Glass-to-Glass nennt man das auch (von der Kameralinse bis zum Monitor).

Solche Lösungen gibt es bereits, und das ist gut. Und dafür, dass wir erst seit wenigen Jahren Bild- und Video-KI haben, ist das sogar hervorragend!

Das Umsetzen solcher Lösungen hingegen braucht Geld, Zeit, den Willen und technische Expertise. Das wird noch ein Weilchen dauern, wird aber zweifellos kommen. Im Journalismus, im Sachverständigenwesen, bei Gericht, usw.

Ich persönlich hoffe ja auch darauf, dass Social Media mitzieht. Dann kann sich jeder überlegen, ob er KI-generierten Content sehen möchte oder nicht. Denn wenn ich mir die LinkedIn-Timeline so ansehe, dann würde ich mich über mehr Authentizität, Echtheit und auch mehr Substanz sehr freuen – aber das ist ein anderes Thema.