Ach was waren das für schöne Zeiten, in denen wir Informatiker uns mit Pizza-Schachteln, Schlabber-T-Shirts, Mief-Muff im Wohnzimmer (wahlweise Keller-Büro) und viel Elan einfach eingesperrt und Software gebaut haben…. dann zum Kunden gefahren, installiert, läuft (oder auch nicht) und wieder nach Hause.
Für den „Berufs-Nerd“ von heute sieht die Welt jedoch ganz anders aus und ich bin mir teilweise nichtmal mehr sicher, ob „IT“ überhaupt noch was mit Technik zu tun hat.
Denn die Ereignisse der letzten Zeit zeigen immer mehr: heutige IT hängt mitten im Netz (oder am Tropf) politischer, geo-politischer, internationaler Verflechtungen. Und es braucht weit mehr als nur technischen Sachverstand, um sich hier zurechtzufinden.
Ich war die letzten Tage recht still (auch hier auf LinkedIn), weil ich vieles von dem, was gerade seit dem Jahreswechsel passiert, erst mal sacken lassen musste. Und auch keinen Blödsinn posten wollte. Ich komme aber immer mehr zu dem Schluss, dass sich die Entwicklung und Notwendigkeit, die bereits Mitte letzten Jahres massiv deutlich wurde, fortsetzt – nur mit viel größerem Tempo.
Digitale Souveränität!
Aber nicht (nur) im Sinne von „wir müssen alle Dienste / Server / Daten in Deutschland oder Europa haben“. Das ist zu stumpf gedacht. Vielmehr im Sinne der „bewussten Entscheidung“.
Digitale Souveränität heißt für mich, dass Rahmenbedingungen, Risiken, Hersteller, Lieferketten bewusst eingegangen werden und wir nicht aus Versehen oder Bequemlichkeit hineinstolpern. Aktuelle Gesetze (NIS2, DORA, KI-VO, usw.) helfen uns dabei und das macht (ausnahmsweise) auch total Sinn, sich damit zu beschäftigen und die Regulatorik ernst zu nehmen.
IT-Verantwortung ist längst keine technische Aufgabe mehr. Regulatorik, Politik und Geo-Politik bestimmen weit mehr, wie wir IT „ausrichten“, als technische Rahmenbedingungen. Ob wir wollen oder nicht….
Und dabei war das Nerd-Leben in Schlabber-T-Shirts doch so schön….